Die Kommission hat heute eine umfassende Strategie vorgeschlagen, die der EU-Industrie eine Führungsrolle bei fortgeschrittenen Werkstoffen – einer für den grünen und den digitalen Wandel äußerst relevanten Schlüsseltechnologie – sichern soll. In der Mitteilung zu fortgeschrittenen Werkstoffen für eine Führungsrolle der Industrie werden konkrete Schritte vorgeschlagen, mit denen die Forschungs- und Innovationsprioritäten und die Investitionen in der EU aufeinander abgestimmt werden, damit die Führungsrolle Europas bei dieser Schlüsseltechnologie gesichert werden kann. Diese von den Mitgliedstaaten und der Industrie dringend erwartete Initiative ist der erste Schritt hin zu einem gemeinsamen europäischen Konzept für fortgeschrittene Werkstoffe, auf dem weitere Maßnahmen aufbauen werden.
Fortgeschrittene Werkstoffe wurden gezielt für höhere Leistungsfähigkeit und zur Erfüllung besonderer Funktionen konzipiert und gestaltet und können dank des heutigen Standes der Wissenschaft und der Rechenleistung mit beispielloser Geschwindigkeit entwickelt werden. Sie sind beispielsweise bei Innovationen in den Bereichen Energie, Elektronik, Bauwesen und Mobilität nicht mehr wegzudenken und somit für den grünen und den digitalen Wandel von zentraler Bedeutung. Diese erste Liste von Forschungsbereichen soll im Zuge des Dialogs mit dem noch einzusetzenden Technologierat im Laufe der Zeit erweitert werden.
Die Nachfrage nach fortgeschrittenen Werkstoffen dürfte in den kommenden Jahren in den folgenden Bereichen erheblich steigen: Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen, Batterien, emissionsfreie Gebäude, Halbleiter, Arzneimittel und Medizinprodukte, Satelliten, Trägerraketen, Flugzeuge oder andere Anwendungen mit doppeltem Verwendungszweck sowie Verteidigungsausrüstung.
Mit der Strategie soll die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der EU verbessert werden, indem sichergestellt wird, dass die Union bei neuen Werkstofftechnologien ihre Vorreiterrolle beibehält und Entwicklungs-, Test- und Einsatzkapazitäten unterstützt werden. Die Maßnahmen werden auch die offene strategische Autonomie und die wirtschaftliche Sicherheit der EU stärken, indem die Abhängigkeiten von kritischen Werkstoffen dadurch verringert werden, dass diese Werkstoffe ersetzt oder vermehrt recycelt und wiederverwendet werden.
In der Mitteilung werden Maßnahmen vorgeschlagen, die auf fünf Hauptsäulen ausgerichtet sind und gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten, Akteuren aus der Industrie und anderen wichtigen Interessenträgern umgesetzt werden sollen:
- Stärkung des europäischen Forschungs- und Innovationssystems in Bezug auf fortgeschrittene Werkstoffe.
- Beschleunigte Markteinführung innovativer Werkstoffe. Dabei soll ein „Werkstoff-Commons“, eine europäische digitale Infrastruktur für Forschung und Innovation im Bereich fortgeschrittener Werkstoffe, entwickelt werden, mit der die Konzeption, Entwicklung und Erprobung neuer fortgeschrittener Werkstoffe in einer kontrollierten Umgebung – auch durch die Nutzung von KI – erheblich beschleunigt wird.
- Erhöhung der Kapitalinvestitionen und Verbesserung des Zugangs zu Finanzmitteln. Durch dieses Maßnahmenpaket wird die EU im Rahmen von „Horizont Europa“ eine neue Partnerschaft mit der Industrie begründen, um Investitionen in Höhe von 500 Mio. EUR für den Zeitraum 2025 bis 2027 zu mobilisieren, von denen mindestens 250 Mio. EUR aus privaten Quellen stammen sollen.
- Förderung der Herstellung und Verwendung fortgeschrittener Werkstoffe. Darunter fällt die Auftragsvergabe in den Bereichen Innovation und Normung sowie die Einrichtung einer Akademie für fortgeschrittene Werkstoffe gemeinsam mit dem Europäischen Innovations- und Technologieinstitut, mit der sichergestellt werden soll, dass die europäischen Arbeitskräfte über die erforderlichen Kompetenzen verfügen.
- Einsetzung eines Technologierats für fortgeschrittene Werkstoffe, der gemeinsam mit den Mitgliedstaaten, mit Ländern, die mit „Horizont Europa“ assoziiert sind, und mit der Industrie bei der Steuerung dieser Initiative beratend zur Seite stehen soll.
Hintergrund
Ein gutes Beispiel für fortgeschrittene Werkstoffe wäre Graphen, der dünnste und stärkste Werkstoff überhaupt, der ein besserer Wärmeleiter ist als Kupfer und in Fernsehbildschirmen, Computern und Smartphones Verwendung findet. Die Energieeffizienz und die neuen Leistungsmerkmale sind nur den neuen Entwurfsqualitäten zu verdanken.
Europa ist hinsichtlich der Entwicklung fortschrittlicher Werkstoffe zwar gut aufgestellt, der kontinuierlichen Innovation kommt aber eine zentrale Rolle bei der Sicherung der technologischen Souveränität und der strategischen Autonomie während des gesamten Lebenszyklus von fortgeschrittenen Werkstoffen zu. Im Laufe der Jahre wurden über die FuI-Rahmenprogramme der EU Forschung und Innovation im Bereich fortgeschrittener Werkstoffe, darunter die Leitinitiative „Graphen“, sowie mehrere europäische Technologieplattformen und das EFA-NET, aktiv unterstützt.
Im Februar 2022 forderten wichtige Interessenträger aus der Industrie die Kommission im Manifest „Materials 2030“ auf, einen strategischen Fahrplan und eine wirksame Governance für FuI im Bereich fortgeschrittene Werkstoffe sowie eine neue europäische strategische FuI-Agenda für die nächste Generation fortgeschrittener Werkstoffe festzulegen.
Nach breit angelegten Konsultationen mit den Mitgliedstaaten und Interessenträgern werden in dieser Mitteilung nicht nur der FuI-Bedarf, sondern auch die Bemühungen zur Stärkung der Produktion, der Verwendung und der Akzeptanz fortgeschrittener Werkstoffe thematisiert.
Weitere Informationen
Mitteilung zu fortgeschrittenen Werkstoffen für eine Führungsrolle der Industrie
Website zu fortgeschrittenen Werkstoffen
EU-finanzierte innovative Forschungsergebnisse zu fortgeschrittenen Werkstoffen
Quote(s)
Die Wettbewerbsfähigkeit der EU steht und fällt mit unserem technologischen Vorsprung und einer kontinuierlichen Versorgung mit fortschrittlichen Werkstoffen, die für unseren grünen und digitalen Wandel benötigt werden. Wir müssen nicht nur die Entwicklung dieser Werkstoffe unterstützen, sondern sie auch effizient und nachhaltig einsetzen. Nachdem wir die Meinung von Interessenträgern aus der Industrie und nationalen Behörden eingeholt haben, schlagen wir eine Vorgehensweise vor, die unserer langfristigen wirtschaftlichen Resilienz förderlich ist.
Margrethe Vestager, Exekutiv-Vizepräsidentin, zuständig für das Ressort „Ein Europa für das digitale Zeitalter“
Heute präsentieren wir eine Strategie für ein gemeinsames Vorgehen in der EU, das unsere Position in dem für die Zukunft unserer Industrien maßgeblichen Bereich der fortgeschrittenen Werkstoffe stärkt. Diese Strategie wird neue Möglichkeiten für Unternehmen in der EU eröffnen und Europa mit den notwendigen Infrastrukturen und Kompetenzen ausstatten. Somit werden wir auf der internationalen Bühne ein starker Akteur bleiben. Genau das ist für unsere Wettbewerbsfähigkeit, unsere offene strategische Autonomie und unsere wirtschaftliche Sicherheit von zentraler Bedeutung.
Iliana Ivanova, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend
Einzelheiten
- Datum der Veröffentlichung
- 27. Februar 2024
- Autor
- Vertretung in Luxembourg