
Aus der jüngsten Standard-Eurobarometer-Umfrage vom Juni 2023, die heute veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die EU-Bürgerinnen und -Bürger weiterhin mit überwältigender Mehrheit für die Energiewende sind und massive Investitionen in erneuerbare Energien erwarten.
Die breite Zustimmung für die von der EU ergriffenen Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine und ihrer Bevölkerung ist weiterhin ungebrochen. Auch eine stärkere Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigung und höhere Verteidigungsausgaben werden befürwortet.
Zwar bereitet die Inflation den EU-Bürgerinnen und -Bürgern weiter große Sorge, doch die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage und der wirtschaftlichen Erwartungen hat sich aufgehellt. Die Mehrheit der EU-Bevölkerung ist der Ansicht, dass NextGenerationEU, der 800 Mrd. EUR schwere EU-Aufbauplan, wirksam zur Bewältigung der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen beitragen kann. Die Zustimmungsrate für den Euro bleibt weiterhin hoch.
Breite Unterstützung für die Energiewende
Mehr als acht von zehn EU-Bürgerinnen und -Bürgern sind der Ansicht, dass die EU massiv in erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie (85 %) investieren sollte und dass durch mehr Energieeffizienz bei Gebäuden, Verkehr und Waren unsere Abhängigkeit von Energieerzeugern außerhalb der EU verringert wird (82 %). Zudem sollten nach Meinung von 80 % die EU-Mitgliedstaaten gemeinsam Energie aus anderen Ländern kaufen, um einen besseren Preis zu erzielen.
Darüber hinaus haben 81 % der Befragten den Eindruck, dass es wichtig für unsere allgemeine Sicherheit ist, die Öl- und Gasimporte zurückzufahren und in erneuerbare Energien zu investieren, und 82 % sind der Ansicht, dass die EU ihre Abhängigkeit von russischen Energiequellen so rasch wie möglich verringern sollte.
Starker Rückhalt für Ukraine-Kurs der EU
Die Maßnahmen, die als Reaktion auf die Invasion der Ukraine durch Russland ergriffen wurden, finden weiterhin sehr große Zustimmung.
88 % der EU-Bürgerinnen und -Bürger befürworten die Bereitstellung humanitärer Hilfe für die vom Krieg betroffenen Menschen, und 86 % sprechen sich für die Aufnahme von Menschen in der EU aus, die vor dem Krieg fliehen. Finanzielle Hilfe für die Ukraine befürworten 75 %, und Wirtschaftssanktionen gegen die russische Regierung, Unternehmen und Einzelpersonen finden 72 % gut.
Darüber hinaus sind 66 % damit einverstanden, staatseigenen Medien wie Sputnik und Russia Today in der EU die Sendetätigkeit zu untersagen, und 64 % sprechen sich für die Finanzierung des Kaufs und der Lieferung militärischer Ausrüstung für die Ukraine aus. 64 % stimmen auch damit überein, dass die EU der Ukraine Kandidatenstatus als potenzielles Mitglied der EU gewährt.
Insgesamt zeigten sich 56 % der Befragten mit den EU-Maßnahmen angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine zufrieden, während mit der Reaktion ihrer nationalen Regierung 54 % zufrieden sind.
Für eine stärkere europäische Verteidigung
In diesem Zusammenhang wünschen sich 77 % der Europäerinnen und Europäer eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Nach Meinung von 80 % sollte die Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen auf EU-Ebene intensiviert werden, 77 % sind der Auffassung, dass der Erwerb militärischer Ausrüstung durch die Mitgliedstaaten besser koordiniert werden sollte, 69 % möchten, dass die EU ihre Kapazitäten zur Herstellung militärischer Ausrüstung ausbaut, und 66 % stellen fest, dass in der EU mehr Mittel für die Verteidigung ausgegeben werden sollten.
Ein stärkeres Europa in der Welt
77 % stimmen zu, dass die EU Partnerschaften mit Ländern außerhalb der EU aufbauen sollte, um in nachhaltige Infrastruktur zu investieren und damit Menschen und Länder in der ganzen Welt miteinander in Verbindung treten. Darüber hinaus sind 69 % der Ansicht, dass die EU über ausreichende Befugnisse und Instrumente verfügt, um die wirtschaftlichen Interessen Europas in der Weltwirtschaft zu verteidigen.
Das Vertrauen in die EU hat in den meisten Kandidatenländern seit dem Winter 2022-2023 erhebliche Zuwächse verzeichnet. Am höchsten ist das Vertrauen in Albanien (77 %, + 6), gefolgt von Bosnien und Herzegowina (57 %, + 7) Montenegro (54 %, + 7), Nordmazedonien (48 %, + 1), Moldau (44 %, + 2), der Türkei (41 %, + 12) und Serbien (32 %, + 2).
Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds
Die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage hat sich signifikant verbessert. 45 % der Befragten beurteilen die Lage der europäischen Wirtschaft nun positiv (+ 5 Prozentpunkte seit Januar-Februar), etwas mehr als der Anteil derjenigen, die die Lage negativ einschätzen (44 %, -7 Prozentpunkte). Die wirtschaftliche Lage im eigenen Land halten 40 % für gut (+ 5 Prozentpunkte) und 58 % für schlecht (-8 Prozentpunkte).
55 % der Europäerinnen und Europäer sind der Ansicht, dass der mit 800 Mrd. EUR ausgestattete EU-Aufbauplan NextGenerationEU wirksam zur Bewältigung der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen beitragen kann.
Im Euro-Währungsgebiet ist die Unterstützung für die gemeinsame Währung nach wie vor sehr hoch (78 % gegenüber 17 %), während sie für die EU insgesamt etwas niedriger ausfällt (71 % gegenüber 23 %).
Zwar bereitet die Inflation nach wie vor große Sorge, jedoch in geringerem Umfang als zu Jahresbeginn
Für 27 % der Europäerinnen und Europäer zählen „steigende Preise/Inflation/Lebenshaltungskosten“ zu den beiden Hauptproblemen, mit denen die EU derzeit konfrontiert ist (-5 Prozentpunkte seit Januar-Februar). An zweiter Stelle steht die internationale Lage mit 25 % (-3 Prozentpunkte), dicht gefolgt von Zuwanderung (24 %, + 7 Prozentpunkte) und Umwelt und Klimawandel (22 %, + 2 Prozentpunkte). Das Thema Energieversorgung (16 %, -10 Prozentpunkte) hat deutlich an Bedeutung eingebüßt und ist von Platz 3 auf Platz 6 gerutscht.
Auf die Frage nach den zwei wichtigsten Problemen, denen ihr Land gegenübersteht, nannten 45 % „steigende Preise/Inflation/Lebenshaltungskosten“ (-8 Prozentpunkte), sodass dieses Thema weit vor der wirtschaftlichen Lage (18 %, +1 Prozentpunkt), Umwelt und Klimawandel (16 %, +2 Prozentpunkte), Zuwanderung (14 %, +5 Prozentpunkte) und Gesundheit (14 %, unverändert) liegt. Da die Bedenken hinsichtlich der Energieversorgung drastisch zurückgegangen sind (12 %, -7 Prozentpunkte), wurde das Thema von Platz 2 auf Platz 5 verdrängt.
Die allgemeine Wahrnehmung der EU bleibt stabil
Die meisten allgemeinen Indikatoren sind weiterhin stabil. So sprechen 47 % der EU-Bevölkerung der EU ihr Vertrauen aus, während der Wert für das Vertrauen in die nationalen Regierungen bei 32 % liegt. 45 % haben eher kein Vertrauen in die EU.
45 % der EU-Bevölkerung haben ein positives Bild von der EU, 18 % haben ein negatives und 37 % ein neutrales. In allen Mitgliedstaaten überwiegt die positive Wahrnehmung die negative.
63 % der Befragten in der EU geben an, dass sie die Zukunft der EU optimistisch sehen, und 34 % schätzen sie pessimistisch ein.
Hintergrund
Die Standard-Eurobarometer-Umfrage vom Frühjahr 2023 (EB 99) wurde zwischen dem 31. Mai und dem 21. Juni 2023 in allen 27 EU-Mitgliedstaaten in Form von persönlichen Befragungen durchgeführt. 26 425 EU-Bürgerinnen und -Bürger wurden in der EU befragt. Einige Fragen wurden auch in zwölf weiteren Ländern oder Gebieten gestellt.
Informationen zu Luxemburg:
Standard Eurobarometer 99 - Spring 2023 - Country Factsheet in English Luxembourg
Weitere Informationen
Standard-Eurobarometer Nr. 99
Einzelheiten
- Datum der Veröffentlichung
- 10. Juli 2023
- Autor
- Vertretung in Luxembourg