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Vertretung in Luxemburg

Vierter Schengen-Statusbericht: 40 Jahre unschätzbare Vorteile für EU-Bürgerinnen und -Bürger

  • Presseartikel
  • 23. April 2025
  • Vertretung in Luxembourg
  • Lesedauer: 5 Min

Heute stellt die Kommission ihren vierten Schengen-Statusbericht vor. Er beleuchtet die Entwicklungen des vergangenen Jahres und legt die Prioritäten für das kommende Jahr fest. 

Seit 40 Jahren bringt der Schengen-Raum der EU und ihren Bürgerinnen und Bürgern erhebliche Vorteile. Er ist das Rückgrat des EU-Binnenmarkts und erleichtert das Leben von fast 450 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr war der Schengen-Raum mit mehr als einer halben Milliarde Reisenden erneut das weltweit am häufigsten besuchte Ziel und ein enormer Wirtschaftsfaktor für die gesamte Union. 

Im Laufe der Zeit hat sich der Schengen-Raum zu einem robusten und umfassenden System entwickelt, in dem die Mitgliedstaaten mit Unterstützung der EU wirksam und koordiniert in den Bereichen Außengrenzen, Sicherheit und Migration zusammenarbeiten.  

Der heute angenommene Bericht, in dem die Funktionsweise des Schengen-Raums beleuchtet wird, ist der Beitrag der Kommission im Vorfeld der Tagung des Schengen-Rates im Juni, bei der der 40. Jahrestag der Unterzeichnung des Schengener Übereinkommens begangen wird. 

Schengen-Statusbericht 

Im Schengen-Statusbericht 2025 werden die Errungenschaften, Herausforderungen und Entwicklungen im Schengen-Raum im vorangegangenen Zyklus 2024-2025 dargestellt. Der vollständige Beitritt Bulgariens und Rumäniens zum Schengen-Raum stärkt die Wirtschaft der EU erheblich und zeigt den unermüdlichen Einsatz der Mitgliedstaaten für eine weitere Verbesserung der Schengen-Zusammenarbeit.

Darüber hinaus haben sich die Schengen-Vorgaben zu einem entscheidenden Aspekt im EU-Erweiterungsprozess entwickelt, da alle Bewerberländer bis zu ihrem EU-Beitritt über voll funktionsfähige nationale Schengen-Governance-Systeme verfügen müssen. Zudem haben verstärkte EU-Anstrengungen zu einem Rückgang der irregulären Grenzübertritte an den Außengrenzen des Schengen-Raums geführt. Rund 240 000 Fälle wurden festgestellt – die niedrigste Zahl seit 2021.

Der Bericht zeigt, dass die Schengen-Vorschriften gut angewandt werden. Die Arbeiten werden in folgenden Bereichen fortgesetzt:    

  • Weitere Stärkung der politischen und operativen Governance: Die gemeinsame Nutzung eines Raums ohne Binnengrenzen beruht auf Vertrauen. Dies setzt voraus, dass die vereinbarten Vorschriften wirksam umgesetzt und gemeinsame Instrumente, Informationen, Ressourcen und Infrastruktur genutzt werden. Die Kommission wird die Fortschritte anhand des jährlichen Schengen-Scoreboards weiter verfolgen und den Schengen-Evaluierungs- und Überwachungsmechanismus weiter konsolidieren. Dies betrifft Systeme sowohl in den Schengen-Ländern als auch in den EU-Bewerberländern.
  • Beschleunigte Umsetzung des Digitalisierungsrahmens zur Verhütung von Sicherheitsrisiken: Dies ist für die bevorstehende Einführung des Einreise-/Ausreisesystems und des Europäischen Reiseinformations- und -genehmigungssystems (ETIAS) von entscheidender Bedeutung. Kontinuierliche Investitionen in Forschung und Innovation sind unerlässlich, um den Schengen-Raum künftig durch modernste europäische Lösungen zu schützen.
  • Anpassung an die sich wandelnde Sicherheitslandschaft mit einem gemeinsamen Informationsbild, gemeinsamen operativen Maßnahmen und einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden, auch in Regionen an den Binnengrenzen. Wie in der Strategie „ProtectEU – eine neue Europäische Strategie für die innere Sicherheit“ angekündigt, wird die Kommission darauf hinarbeiten, eine Hochrangige Gruppe für die Zukunft der operativen Zusammenarbeit im Bereich der Strafverfolgung im Schengen-Raum einzurichten.
  • Vorsorge weit über unsere Grenzen hinweg durch Vertiefung der Beziehungen zu Partnerländern in unserer Nachbarschaft und darüber hinaus: Europol und die Mitgliedstaaten haben in den letzten Jahren verstärkt daran gearbeitet, die Übermittlung und Verarbeitung von Informationen aus wichtigen Drittländern zu verbessern. Ferner hat Frontex seine Unterstützung für die Bewerberländer ausgebaut.  
  • Wirksame Maßnahmen zur Gewährleistung der Rückkehr bzw. Rückführung von Personen, die kein Recht auf Aufenthalt in der EU haben. Im Jahr 2024 ist die Zahl der Rückkehrer (Drittstaatsangehörige ohne Aufenthaltsrecht im Schengen-Raum) um fast 12 % gestiegen – die Gesamtrückkehrquote muss jedoch noch weiter erhöht werden. Zur Unterstützung der Mitgliedstaaten hat die Kommission im vergangenen Jahr eine Schengen-Evaluierung durchgeführt, in der bewährte Verfahren für eine schnellere und effizientere Rückkehr ermittelt wurden.
  • Koordinierte Maßnahmen im Schengen-Raum: Ein rascher und wirksamer Informationsaustausch zwischen den Strafverfolgungsbehörden ist nach wie vor eines der wirksamsten Instrumente zur Verhütung und Bekämpfung von Kriminalität. Die EU verfügt bereits über solide Instrumente für die Lageerfassung und Risikoanalyse wie EUROSUR und das Schengener Informationssystem. Gemeinsam mit dem Schengen-Koordinator wird die Kommission die Mitgliedstaaten weiterhin unterstützen, um eine wirksame Zusammenarbeit bei der grenzüberschreitenden operativen Strafverfolgung sicherzustellen.

Nächste Schritte

Auch in Zukunft wird das Schengen-System weiterentwickelt und an neue Gegebenheiten angepasst werden und Änderungen in der geopolitischen Landschaft Rechnung tragen. Die Kommission wird mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um das Potenzial des Schengen-Raums voll auszuschöpfen und einen Raum der Freizügigkeit schaffen, der für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet ist. Um die verbleibenden Herausforderungen zu bewältigen, wird sich der Schengen-Governance-Zyklus 2025-2026 auf die Konsolidierung des Governance-Rahmens konzentrieren. Ziel ist es, die Koordinierung der Politik auszubauen, einen strukturierten und kohärenten Ansatz für die polizeiliche Zusammenarbeit zu gewährleisten und die Digitalisierung von Verfahren und Systemen zu beschleunigen, um für mehr Sicherheit zu sorgen. 

Die Kommission ersucht den Schengen-Rat, den Schengen-Statusbericht 2025 im Juni zu erörtern und die Prioritäten für den Schengen-Zyklus 2025-2026 anzunehmen.  

Hintergrund

Seit 2022 bewertet die Kommission jedes Jahr die Lage im Schengen-Raum. Zu diesem Zweck wurden damals der Schengen-Rat, der Schengen-Zyklus und der neue Schengen-Evaluierungsrahmen geschaffen. Die aktuelle Bewertung zeigt, dass die Initiative der Kommission zur Intensivierung der gemeinsamen Steuerung des Schengen-Raums und zur Sicherstellung strukturierter, koordinierter und geschlossener Reaktionen auf Herausforderungen kontinuierlich umgesetzt wird. 

Weitere Informationen

Schengen-Statusbericht 

ProtectEU – Eine neue europäische Strategie für die innere Sicherheit

Der Schengen-Raum wird 40 Jahre alt – ein Anlass, der uns deutlich vor Augen führt, dass die wahre Stärke der EU in ihrer Fähigkeit liegt, zusammenzuarbeiten, zusammenzustehen und zusammen mehr als allein zu erreichen. Schengen ist eines der besten Beispiele dafür, was die europäische Zusammenarbeit bewirken kann – eine Errungenschaft, die auf der ganzen Welt bewundert wird. Die Zukunft Europas ist untrennbar mit unserer Fähigkeit verbunden, die Schengen-Zusammenarbeit zu intensivieren, denn sie kurbelt das Wirtschaftswachstum an, sorgt für Sicherheit und schützt die gemeinsamen Freiheiten, die unsere Union ausmachen.

Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie

Vor 40 Jahren entstand die Vision, dass die europäische Gemeinschaft noch näher zusammenrücken sollte. Der Schengen-Raum ist heute der beste Beweis für das Engagement Europas für einen freien, geeinten, florierenden und sicheren Kontinent. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, um diesen weltweit größten und beliebtesten Raum der Freizügigkeit weiterzuentwickeln, zu stärken und zu modernisieren. Dies erfordert eine bessere Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden in den Mitgliedstaaten im Sicherheitsbereich und eine zügigere Digitalisierung von Grenzmanagementsystemen wie dem Einreise-/Ausreisesystem, um Sicherheitsrisiken vorzubeugen und wirksamere Rückkehrmaßnahmen zu gewährleisten.

Magnus Brunner, Mitglied der Kommission für Inneres und Migration

Einzelheiten

Datum der Veröffentlichung
23. April 2025
Autor
Vertretung in Luxembourg