
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat heute aus den Händen des Vorsitzenden der Gruppe, Professor Peter Strohschneider, den Abschlussbericht des strategischen Dialogs zur Zukunft der Landwirtschaft in der EU erhalten. Der Bericht mit dem Titel „Eine gemeinsame Perspektive für Landwirtschaft und Ernährung in Europa“ enthält eine Bewertung der Herausforderungen und Chancen sowie eine Reihe von Empfehlungen. Diese Vorschläge werden als Richtschnur für die Arbeit der Europäischen Kommission bei der Gestaltung der Vision für Landwirtschaft und Ernährung dienen, die in den ersten 100 Tagen der zweiten Amtszeit von Präsidentin von der Leyen vorgelegt werden soll.
Die Kommission dankt den 29 Mitgliedern des strategischen Dialogs für ihre Arbeit, seitdem Präsidentin von der Leyen im Januar 2024 den Dialog ins Leben gerufen hat, und für das konstruktive Engagement, das sie während des gesamten Prozesses gezeigt haben, damit der Abschlussbericht fertiggestellt und einstimmig verabschiedet werden konnte. Die heute vorgelegten Ergebnisse zeigen, dass auch in Zeiten einer hitzigen öffentlichen Debatte über Agrar- und Lebensmittelfragen zwischen den wichtigsten Interessen aus der gesamten Agrar- und Lebensmittelkette ein Konsens erzielt werden kann.
Dieser Ansatz sollte beibehalten werden, indem der Dialog und das gegenseitige Vertrauen zwischen den verschiedenen Interessenträgern weiter gefördert werden. Dies kann dazu beitragen, langfristige Lösungen für wettbewerbsfähige, widerstandsfähige, vielfältige und nachhaltige Agrar- und Lebensmittelsysteme in der EU zu finden. Die Kommission wird daher die Empfehlungen des Berichts genau prüfen. So wird etwa empfohlen, eine neue Plattform einzurichten, auf der Akteure aus der gesamten Agrar- und Lebensmittelwertschöpfungskette, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft zusammenkommen, um über Strategien für nachhaltigere und widerstandsfähigere Agrar- und Lebensmittelsysteme nachzudenken.
In dem Bericht des Dialogs wird betont, dass Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugung entscheidend für die europäische Gesellschaft und Sicherheit sind und dass die Vielfalt der europäischen Lebensmittel und der europäischen Landwirtschaft eine große Stärke ist. Die Mitglieder des strategischen Dialogs sind sich einig, dass sich die wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Agrar- und Lebensmittelsektor gegenseitig verstärken kann, insbesondere wenn sie durch kohärente politische Maßnahmen gestützt wird. Zudem wird auf die Bedeutung von Märkten, Ernährungsgewohnheiten und Innovation für die Förderung der Nachhaltigkeit verwiesen.
Die im Bericht dargelegten Empfehlungen sind in fünf Säulen unterteilt:
- Zusammenarbeit für eine nachhaltige, widerstandsfähige und wettbewerbsfähige Zukunft: Dieser Teil zeigt auf, dass die GAP angesichts des laufenden Übergangs zu nachhaltigeren und wettbewerbsfähigeren Lebensmittelsystemen angepasst werden, die Position der Landwirtinnen und Landwirte in der Lebensmittelwertschöpfungskette gestärkt und der Zugang zu Finanzierungsquellen verbessert werden muss. Zudem wird auf die Rolle des Handels und internationaler Standards eingegangen.
- Nachhaltige Agrar- und Lebensmittelsysteme: Die Empfehlungen im Rahmen dieser Säule betreffen die Unterstützung und Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Verfahren, auch in der Tierhaltung; so sollte ein stärkeres Augenmerk auf das Tierwohl gelegt werden und es den Verbraucherinnen und Verbrauchern ermöglicht werden, sich nachhaltig und ausgewogen zu ernähren.
- Förderung transformativer Resilienz: Angesichts der zunehmenden ökologischen, klimatischen, geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken wird in dem Bericht betont, wie wichtig es ist, die Risikomanagementinstrumente und das Krisenmanagement zu stärken, landwirtschaftliche Flächen besser zu erhalten und zu bewirtschaften, eine wasserresistente Landwirtschaft zu fördern und innovative Pflanzenzuchtkonzepte zu entwickeln.
- Schaffung eines attraktiven und vielfältigen Sektors: In diesem Abschnitt wird die Bedeutung des Generationswechsels und der Gleichstellung der Geschlechter sowie lebendiger ländlicher Gebiete und Agrar- und Lebensmittelsysteme dargelegt, einschließlich der Notwendigkeit, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schützen.
- Besserer Zugang zu und bessere Nutzung von Wissen und Innovation: In den Empfehlungen wird der Schluss gezogen, dass der Zugang zu Wissen und Kompetenzen erleichtert werden muss und dass die Digitalisierung als Chance zu begreifen ist.
Der im Rahmen des strategischen Dialogs zur Zukunft der Landwirtschaft in der EU erstellte Bericht ist an die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, die Mitgliedstaaten und die Interessenträger gerichtet.
Hintergrund
Der von Präsidentin von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union im September 2023 angekündigte und im Januar 2024 eingeleitete strategische Dialog zur Zukunft der Landwirtschaft in der EU brachte 29 wichtige Interessenträger aus dem europäischen Agrar- und Lebensmittelsektor, der Zivilgesellschaft, dem ländlichen Raum und der Wissenschaft zusammen, um sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise und eine gemeinsame Vision über die Zukunft der Agrar- und Lebensmittelsysteme in der EU zu verständigen.
Im Rahmen des Dialogs sollten vier Fragen erörtert werden:
- Wie können wir unseren Landwirtinnen und Landwirten und den ländlichen Gemeinschaften, in denen sie leben, eine bessere Perspektive, einschließlich eines angemessenen Lebensstandards, bieten?
- Wie können wir die Landwirtschaft unter Respektierung der Grenzen unseres Planeten und seines Ökosystems unterstützen?
- Wie können wir die enormen Chancen, die uns Wissen und technologische Innovation bieten, besser nutzen?
- Wie können wir dafür sorgen, dass das europäische Lebensmittelsystem in einer vom Wettbewerb geprägten Welt eine erfolgreiche und prosperierende Zukunft vor sich hat?
Ausgehend von diesen Fragen wurden verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet, um diese Aspekte zu beleuchten. Von Januar bis August 2024 fanden auch sieben Plenarsitzungen mit allen Mitgliedern des strategischen Dialogs statt, wobei Präsidentin von der Leyen an drei Sitzungen teilnahm. Darüber hinaus erbat der Vorsitzende der Gruppe, Professor Strohschneider, Beiträge von EU-weit tätigen Organisationen entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette. Außerdem traf er mit Landwirtschaftsministerinnen und -ministern der Mitgliedstaaten, dem gesamten Kollegium der Kommissionsmitglieder, Mitgliedern des Europäischen Parlaments sowie Vertretern des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses und des Ausschusses der Regionen zusammen.
Weitere Informationen
Strategischer Dialog zur Zukunft der EU-Landwirtschaft
Liste der Teilnehmenden am strategischen Dialog
Quote(s)
Ich beglückwünsche die Mitglieder des strategischen Dialogs herzlich zu ihrer wichtigen Arbeit. Das Ergebnis dieses strategischen Dialogs zeigt, dass es möglich ist, die polarisierte Debatte hinter sich zu lassen und Vertrauen zwischen sehr unterschiedlichen Interessenträgern zu schaffen. Die Kommission wird die vorgebrachten Ideen nun sorgfältig prüfen. Wir alle wünschen uns einen florierenden europäischen Lebensmittel- und Agrarsektor, der unseren Landwirtinnen und Landwirten, Bürgerinnen und Bürgern und unserem wertvollen Naturerbe gerecht wird. Mit diesem Bericht verfügen wir über eine sehr solide Grundlage für eine neue Vision für Ernährung und Landwirtschaft in Europa. Wir sollten auf unserem weiteren Weg an die vom strategischen Dialog vorgelebte Motivation und Energie und die dabei entstandenen Beziehungen anknüpfen.
Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission
Nach sieben Monaten intensiver Arbeit haben sich die Mitglieder des strategischen Dialogs in einer neuen Kultur des gegenseitigen Verständnisses und der Kommunikation auf ein gemeinsames Konzept für die Zukunft der Landwirtschaft und Ernährung in Europa geeinigt. Diese gemeinsamen Perspektiven, die von einer vielfältigen und repräsentativen Gruppe von Interessenträgern in diesem Sektor vereinbart wurden, bilden einen ganzheitlichen und gesamtgesellschaftlichen Ansatz zur Verwirklichung der Ziele der EU in den Bereichen Umwelt, Klima, Wirtschaft und Soziales. Ich hoffe sehr, dass die Energie, der Einfallsreichtum und die Kollegialität des strategischen Dialogs auch in Zukunft für ähnliche Zwecke erhalten werden können.
Professor Peter Strohschneider, Chairman of the Strategic Dialogue
Einzelheiten
- Datum der Veröffentlichung
- 4. September 2024
- Autor
- Vertretung in Luxembourg